Berufliche Neuorientierung | Phasen & Tipps auf der Suche nach einem erfüllten Berufsleben

Wie sagt man so schön: «Arbeit ist das halbe Leben». Zumindest fühlt es sich für einen Grossteil der Bevölkerung so an. Betrachtet man die blanken Fakten, so verbringen wir an einem durchschnittlichen Arbeitstag rund 30% unseres 24-Stunden-Tages im Beruf. Etwas kleiner ist dieser Prozentsatz auf die statistische Lebenszeit eines Menschen betrachtet: Ca. 16% unseres Lebens gehen wir der beruflichen Tätigkeit nach. Nicht nur wenden wir einen guten Anteil unseres Lebens für die Arbeit auf, ebenso stiftet uns der Job Identität, öffnet finanzielle Möglichkeiten und hat einen definierenden Einfluss auf unsere Zufriedenheit und Lebensqualität.

Unzufriedenheit im Job – Was sind die Gründe?

Während ein Angestellter früher Jahrzehnte beim gleichen Arbeitgeber verbrachte, so ist die Fluktuation heute deutlich grösser. Spätestens der Generation Y haftet der Ruf an, im Beruf besonders wechselfreudig zu sein. Doch was sind die Gründe, wieso man sich für eine Neuorientierung entscheidet? Studiert man Umfragen und Analysen, so trifft man stets auf die folgenden, üblichen Verdächtigen:

1. Zu wenig Geld

2. Zu viel Druck

3. Keine Aufstiegschancen

4. Gefühlte Ausbeutung

5. Mangelnde Anerkennung

6. Sinnlosigkeit

7. Schlechte Stimmung im Betrieb

8. Autoritärer Führungsstil des Vorgesetzten

9. Stupide und langweilige Tätigkeiten

10. Falscher Job

Phasen der beruflichen Neuorientierung

In jedem Beruf gibt es Tage, die besonders anstrengend und frustrierend sind. Wer kennt ihn nicht – den spontanen Impuls alles hinzuschmeissen. Wird diese Unzufriedenheit akut, so formiert sich der Gedanke an eine berufliche Neuorientierung immer stärker. Eine innere Kündigung wird gedanklich oftmals schon lange vor dem effektiven Kündigungsschreiben ausgesprochen. In Gesprächen mit Berufskollegen und Coachees identifiziere ich immer wieder die gleichen Phasen, welche im Rahmen eines Wunsches nach beruflicher Neuorientierung durchlaufen werden:

1. Feststellung: Irgendwas passt nicht (mehr)

2. Selbstkritik & Überprüfen der Situation

3. Versuch der Veränderung im bisherigen Umfeld/Job

4. Scheitern

5. Entscheidung treffen

6. Orientieren

7. Optionen schaffen

8. Entscheidung treffen und neuen Weg einschlagen

Die Phasen können dabei emotional geprägt sein von Verunsicherung und Frust, aber auch von Neugier und der Vorfreude auf ein neues Kapitel im (Berufs-)Leben.

 

Berufliche (Neu-)Orientierung – Wann den Stecker ziehen?

Selbstreflexion

Werden aus den vereinzelten Frust-Tagen im Beruf Wochen und Monate, so ist es Zeit für etwas Selbstreflexion, um die Möglichkeit einer Neuorientierung abzuwägen. Chronischer Ärger, Unzufriedenheit oder auch Unterforderung wirken sich nicht nur negativ auf die persönliche Arbeitsleistung aus; ebenso leiden das Privatleben und das eigene Umfeld.

Nebst dieser klar identifizierbaren Unzufriedenheit gibt es Situationen, in welchen man quasi im Autopilot-Modus durch den Arbeitsalltag steuert. Gefangen im Hamsterrad des Jobs wird so manches Alarmsignal von Überlastung, Schlaf- und Antriebslosigkeit oder Ohnmachtsgefühlen übersehen. Diese Signale sind die besten Zutaten für eine Depression oder ein Burnout.

Wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, den Stecker im Beruf zu ziehen, ist oftmals sehr schwer zu erkennen. Wurden schon alle Möglichkeiten und Chancen im aktuellen Job ausgeschöpft? Werde ich in einem neuen Job wirklich mehr Zufriedenheit erfahren?

 

Berufliche Umorientierung als Chance

Auch wenn der Prozess der beruflichen Neuorientierung geprägt ist von Verunsicherung, da es einen alten Weg zu verlassen gilt, bieten genau diese Momente im Leben die Chance: Eine Chance, aktiv und selbstbestimmt GestalterIn des eigenen Lebens zu werden. Langfristig steigert das die Zufriedenheit und ermöglicht, das persönliche Potenzial auszuschöpfen.

 

Fragen, die helfen, die Situation einzuschätzen

Bist Du unsicher, ob Du Dich beruflich neuorientieren möchtest? So beantworte für Dich (ehrlich) folgende Fragen:

– Womit bin ich genau unglücklich? (Beruf, Arbeitskollegen, meinem Leben, etc.)

– Kann das, was ich heute mache, mich in 3 Jahren noch begeistern?

– Sehe ich andere Alternativen, als eine externe Neuorientierung?

– Was wäre in einem anderen Unternehmen anders?

– Wo liegen meine Stärken? Welche davon möchte ich mehr nutzen?

– Was begeistert mich und macht mich richtig glücklich?

– Wie sieht ein perfekter Arbeitstag für mich aus?

– Was hält mich davon ab, mein Vorhaben umzusetzen?

– Was kann ich dafür tun, um mein berufliches Ziel zu erreichen?

Eine sorgfältige und ehrliche Selbstreflexion der beruflichen und persönlichen Situation ist enorm lohnenswert. Wer möchte schon vom Regen in der Traufe landen. Umso wichtiger sind der persönliche Effort und die Bereitschaft, Zeit in das Projekt «Neuorientierung» zu stecken. Den ersten Schritt zur zuletzt genannten Frage hast Du mit dem Lesen dieses Blog-Beitrags auf jeden Fall bereits getätigt 🙂

 

Tipps & Tricks für die berufliche Neuorientierung

 

Welcher Job und welches Umfeld passen wirklich zu mir?

Wer einen neuen Weg einschlagen will, muss sich aus der Komfortzone wagen. Hier lohnt es sich, für eine saubere Analyse alle Zähler auf null zu stellen. Während viele Ratgeber empfehlen, sich nur auf das zu konzentrieren, was der eigenen Leidenschaft und Passion entspricht oder aktuell am Arbeitsmarkt gefragt ist, so rate ich, differenzierter zu denken. Hierfür kannst Du Dich bewusst mit Deinen persönlichen 4 P’s auseinandersetzen:

PASSION, PERSONALITY, PREFERENCES, PRINCIPLES. Stelle Dir dazu folgende Fragen:

 

Methode: Die 4 P’s

PASSION: Wie würde eine berufliche Tätigkeit aussehen, die mir am Montagmorgen beim Erwachen ein Lächeln auf das Gesicht zaubern würde vor Vorfreude?

PERSONALITY: Welche meiner Charaktereigenschaften könnte ich in dieser Arbeit nutzenstiftend ausleben?

PREFERENCES: Was ist für mich besonders attraktiv hinsichtlich: Arbeitstakt, Arbeitsort, Arbeitsumfeld, Arbeitskollegen, Arbeitszeit.

PRINCIPLES: Welche Werte sind mir bei der Arbeit besonders wichtig? Welchen Mehrwert soll meine tägliche Arbeit in die Welt tragen?

 

Methode: Dein perfekter Arbeitstag

Eine tolle Methode, um diese Fragen für sich zu beantworten, ist die Visualisierungsübung des «perfekten Arbeitstages». Visualisierungsübungen werden insbesondere von Spitzensportlern angewendet, um sich auf Wettkämpfe und herausfordernde Situationen einzustellen. Dieses Konzept kann ebenfalls für die Ergründung der persönlichen Präferenzen angewendet werden. Nimm Dir einige Minuten Zeit, schliesse die Augen und durchlebe gedanklich deinen perfekten Arbeitstag vom Aufstehen bis zum Tagesabschluss. Stell Dir dabei alles bildlich und so real wie möglich vor: Wo arbeitest Du? Wie sieht das Büro oder der Arbeitsplatz aus? Welche Gespräche führst Du mit welchen Leuten? Was einfach klingt, braucht etwas Übung, Geduld, und vor allem die Bereitschaft, sich auf den Prozess der persönlichen Ergründung einzulassen.

Nebst dieser Methode gibt es weitere Orientierungsmöglichkeiten:

– Freunde und Bekannte fragen: Was kannst Du in ihren Augen besonders gut?

– Blick in die eigene Vergangenheit: In welchen bisherigen beruflichen Stationen und Situationen fühltest Du Dich besonders erfüllt? Was ging für Dich gar nicht?

– Inspiration holen: Sprich mit Leuten, die eine besonders spezielle oder für Dich attraktive Karriere haben. Scheue Dich nicht, diese Leute nach Tipps zu fragen. Besonders erfüllte und erfolgreiche Leute teilen ihr Wissen oftmals gerne, wenn man höflich und authentisch nachfragt.

Trage Deine Gedanken zusammen, und schmiede so Deine berufliche Vision. Üblicherweise liegt der berufliche «Sweetspot» in der Schnittmenge folgender drei Felder:

Motivation und Mindset aufbauen – Get ready for change!

Wenn das Ziel klar erfasst ist, so muss auch der Grund für die berufliche Neuorientierung (nochmals) gesettet werden. Warum willst Du den Schritt nochmals genau gehen? Was treibt Dich voran, und warum ist Dir die Veränderung wichtig?

Um eine berufliche Veränderung zu verwirklichen, braucht es Mut, Frusttoleranz und auch Disziplin. Gerade wenn der Prozess herausfordernder verläuft als angenommen, helfen eine solide Motivation und ein starkes Mindset.

An dieser Stelle des Prozesses hast Du bereits sauber reflektiert und geprüft, dass Dein Wunsch nach beruflicher Veränderung nicht bloss ein kurzfristiger Fluchtreflex aus einer unangenehmen Situation ist. Eine solide Motivation stellt dabei den Kompass für die angepeilte Richtung. Man kann dabei zwei Arten der Wechselmotivation unterscheiden:

 

«Weg-von»-Motivation

Diese Wechselmotivation ist defizitorientiert. Wir wollen uns von einer unangenehmen Situation so schnell wie möglich lösen. Dieser Fluchtreflex ist evolutions-psychologisch stark in uns verwurzelt. Ein bedrohlich wirkender Umstand soll damit unmittelbar beseitigt werden. Dieses von unseren Vorfahren überlieferte und instinktive Verhalten führt uns jedoch nicht zum Ziel, was eine berufliche Entscheidung in der modernen Arbeitswelt angeht.

«Hin-zu»-Motivation

Verfolgen wir einen attraktiven Zielzustand, und haben dazu noch einen Umsetzungsplan, so ist die Wechselmotivation mehrwert- und wachstumsorientiert. Diese Art der Motivation wirkt langfristig stärker, fühlt sich bestärkend und positiv an, und erhöht zudem die Chancen einer erfolgreichen beruflichen Neuorientierung massiv.

 

Optionen schaffen

Hast Du ein klares berufliches Ziel und den Willen, Deinen Plan zur Realität werden zu lassen? Dann ist es Zeit ins Handeln zu kommen. Der Traumjob wird einem in den seltensten Fällen direkt auf dem Silbertablett serviert. Vielmehr ist es essenziell, dass Du selber aktiv wirst.

Nebst den einschlägigen Jobportalen im Internet gibt es heute eine Vielzahl an weiteren Möglichkeiten, seiner zukünftigen beruflichen Tätigkeit näher zu kommen. Ergänzend zu den sozialen Berufsnetzwerken wie LinkedIn und XING sind die eigenen Kontakte und das persönliche Netzwerk sehr wichtig bei der beruflichen Neuorientierung. Nur wer über sein Vorhaben und seine Wünsche spricht, gewinnt Visibilität und öffnet so Opportunitäten auf dem Arbeitsmarkt. Selbstverständlich ist es, je nach Situation, ratsam, seine Absicht nur einem Personenkreis anzuvertrauen, dem man sein Vertrauen schenkt; dies vor allem, wenn man sich in einem ungekündigten Arbeitsverhältnis befindet.

 

Selbstbewusst auftreten!

Tritt bei Deinem Vorhaben selbstbewusst auf und versprühe von Deiner «Von-zu»-Motivation. Betrachte Deine bisherige Laufbahn als einen wertvollen Lebensweg, auf welchem Du viel gelernt und Fähigkeiten aufgebaut hast. Mit Deinem Entscheid zur beruflichen Neuorientierung übernimmst Du das Steuer für Deine Karriere und gestaltest selbstbestimmt Deinen weiteren Weg.

Nebst dem Aufbereiten von attraktiven und aussagekräftigen Bewerbungsunterlagen solltest Du auch eine Selbstpräsentation entwerfen, in welcher Du Dein persönliches «WHY» für Deinen Wunsch zur beruflichen Neuorientierung kurz und überzeugend vermitteln kannst.

Überlege dir bei jedem Gespräch, das Du führst, was das Gegenüber an Deinem Werdegang und Deiner Person spannend finden könnte. Wähle 3 Aussagen, die beim Gesprächspartner hängen bleiben sollten.

Tust Du Dich persönlich noch schwer mit einem Entscheid, oder hast Du bereits mehrere Möglichkeiten für eine konkrete berufliche Veränderung, zwischen denen es abzuwägen gilt? In meinem Blog-Beitrag zum Thema «Entscheidungen treffen» findest Du hilfreiche Tools und Methoden, welche Dich bei der Entscheidungsfindung unterstützen.

Sich beruflich umzuorientieren ist ein mutiger Schritt, welcher ein umfassendes Potenzial für die persönliche Weiterentwicklung mit sich bringt. Erlaube Dir, bei Deiner Zielsetzung mindestens eine Nummer grösser zu denken als bisher. Wenn Du Deine Lebenszeit bewusst, attraktiv und sinnstiftend einsetzen möchtest, dann darf es auch das Beste sein für Dich!

In welcher Phase einer möglichen beruflichen Neuorientierung steckst Du gerade?

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Coaching:

Wenn Du Dir auf Deinem Weg der beruflichen Neuorientierung fachkundige Begleitung in Form eines Coachings wünscht, melde Dich gerne bei mir unter coaching@danihunziker.com oder buche direkt ein kostenloses Orientierungsgespräch: https://danihunziker.com/personal-career-coaching

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