Entscheidungen treffen – Kannst Du Dich an Deine letzte schwere Entscheidung erinnern?

Worum ging es? Wir sind im Leben mit einer Vielzahl an Situation konfrontiert, in denen wir vor die Wahl gestellt werden: Soll ich einen neuen Job suchen oder gar annehmen? Ist es der richtige Moment, dem Partner einen Heiratsantrag zu machen? Wollen wir zukünftig auf dem Land oder in der Stadt wohnen? Soll es heute lieber eine Frucht oder ein Croissant zum Frühstück sein?

Diese kleine Auswahl an möglichen Entscheidungen verdeutlicht bereits die Bandbreite an Wahlmöglichkeiten, die uns tagtäglich als Optionen begegnen. Denn pro Tag treffen wir rund 20‘000 Entscheidungen. Viele davon laufen unbewusst und intuitiv ab: Die Wahl der Kleidungsstücke am Morgen. Was wir zum Mittagessen bestellen. Oder auch diverse Entscheidungen, welche der Berufsalltag und der Job mit sich bringen.

Doch warum fallen uns einige Entscheidungen extrem leicht, währenddem sich andere Abwägungen zu einer absoluten Qual entwickeln und wir uns gedanklich in ein riesiges Dilemma stürzen?

„Das Mysterium, wie wir Entscheidungen treffen, … ist eines der ältesten Mysterien des Denkens. Obwohl wir durch unsere Entscheidungen definiert werden, haben wir oft keine Ahnung, was beim Prozess der Entscheidungsfindung in unserem Kopf vorgeht.“

Jonah Lehrer, How We Decide (2009)

Was passiert beim Entscheidungen-Treffen?

Es ist neurowissenschaftlich erwiesen, dass sowohl automatische als auch kontrollierte Prozesse beteiligt sind, wenn wir Entscheidungen treffen. Das bedeutet, dass einerseits intuitive und emotionale Prozesse ablaufen, parallel dazu aber auch logisch-analytische Denkmuster vollzogen werden. Um gute Entscheidungen treffen können, müssen wir beide Arten des Denkens nutzen. Doch können wir diese scheinbar konkurrierenden Denkprozesse in Einklang bringen?

Stehen wir vor einer grossen Entscheidung wie z.B. einem Jobwechsel, Familienplanung oder einer Trennung, so stellen sich uns in der Regel folgende zwei Herausforderungen:

  1. Angst vor dem Neuen & Veränderungen
  2. Abwägen aus (ebenbürtigen) Alternativen

Die Angst vor dem Neuen & Veränderungen

Wir scheuen uns vor Entscheidungen aus Angst vor den Auswirkungen und Veränderungen, die eine schlechte Wahl mit sich bringen kann oder fürchten uns davor, durch eine falsche Entscheidung etwas zu verlieren. Die uns bekannten Abläufe, Routinen und Lebensthemen definieren einen für uns vermeintlich sehr angenehmen Ort: Unsere Komfortzone. Der Schritt aus dieser bequemen und kurzfristig sicheren Zone fällt oftmals sehr schwer. Unsere Entscheidungen, und damit das Verlassen der Komfortzone, sind stark durch die Angst vor dem Unbekannten beeinflusst. Diese Angst ist in der Regel definiert durch 3 Aspekte: Der Angst vor dem Versagen, der Angst vor Anstrengung, und der Angst vor Zurückweisung durch andere. So fällt die Entscheidung in einer solchen Situation oft für die vermeintlich sicherere Variante.

Abwägen aus (ebenbürtigen) Alternativen

Zusätzlich ist das Abwägen von Alternativen eine Herausforderung für uns. Die eine Alternative ist in einer Hinsicht besser, die andere in anderer Hinsicht. Harte Entscheidungen sind schwer zu treffen, weil es keine Option gibt, die effektiv und insgesamt besser ist.

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Stehen wir also vor der Wahl zwischen zwei oder mehreren ebenbürtigen Varianten, so werden wir rational wie auch emotional keine klare Entscheidung durch reines Abwägen herbeiführen können. Sowohl Kopf wie auch Bauch liefern keine eindeutigen Signale. Dies ist auch Grund dafür, dass in einem solchen Moment eine Pro-Contra-Liste oftmals zu mehr Verwirrung statt zu mehr Klarheit in der Entscheidungsfindung führt.

Ist die Karriere im internationalen Unternehmen zielführend für das Erreichen meiner Lebensziele? Oder erfahre ich mehr Erfüllung als selbständiger Unternehmer?

Beide dieser beispielhaften Varianten stehen für das gleiche Ziel: Nämlich dem Führen eines attraktiven und erfolgreichen Berufslebens.

Doch die Art und Weise, wie dieses Leben zukünftig geführt wird, unterscheidet sich fundamental, je nach getroffener Wahl. Und genau dieser Umstand macht die Entscheidung so schwierig. Oft schon bin ich Klienten im Karrierecoaching begegnet, die stark an sich selbst und ihren Fähigkeiten zweifeln, weil sie sich ganz einfach verzetteln, eine Entscheidung für eine Variante zu fällen.

Entscheidungen treffen als Chance

Vergegenwärtigen wir uns das oben genannte, beispielhafte Berufsentscheidungs-Dilemma, so lässt sich ein riesiges Potenzial hinter der Abwägung erkennen. Mit einer anstehenden harten Entscheidung gewinnen wir die Möglichkeit, die Art und Weise unseres zukünftigen Lebens aktiv und fundamental zu gestalten.

“Eine Welt voller leichter Entscheidungen würde uns zu Sklaven der Vernunft machen.”

Ruth Chang

Die Konfrontation mit harten Entscheidungen bietet uns die Chance, uns selbstbestimmt zu der Person zu machen, die wir effektiv sein wollen. Das heisst auch, das Leben zu führen, das für uns attraktiv und wünschenswert ist. Treffen wir keine Entscheidungen, überlassen diese dem Zufall oder delegieren sie an eine andere Person, so vergeben wir die Chance, den Verlauf unserer Lebensstory selbst zu schreiben.

Entscheidungen treffen – 4 Methoden für die Entscheidungsfindung

Wie können wir im Entscheidungsfindungsprozess eine aktive Rolle übernehmen? Folgende 4 Methoden bieten eine hilfreiche Unterstützung und dürfen gerne auch in Kombination angewendet werden.

Methode 1 – Die Zeitreise

Mit dieser Methode machst Du gedanklich einen Sprung in die Zukunft. Stell Dir vor, Du hast dich auf eine Entscheidung festgelegt und arbeite damit. Stell Dir Dein Leben mit dieser Entscheidung vor und frage Dich nun: Was würde Dein zukünftiges Ich über diesen Entscheid denken? Welches Leben würde Dein zukünftiges Ich nach dieser Entscheidung führen? Ist dies eine attraktive Vorstellung? Notiere Deine Gedanken, um den Effekt zu verstärken. Diese Methode hilft dabei, den Blick Richtung Zukunft zu fokussieren, und langfristige Wirkungen zu ergründen. Eine Abwandlung dieser Methode ist das sogenannte 10-10-10-Modell, welches die zeitliche Dimension differenziert. Stell Dir folgende drei Fragen: Wie werde ich über meine Entscheidung in..
..10 Minuten denken?
..10 Monaten denken?
..10 Jahren denken?
    Speziell für das Treffen von Entscheidungen hinsichtlich beruflicher Veränderungen kann diese Methode sehr hilfreich sein. Stell Dir letztendlich die Frage: Bringt mich mein Entscheid wirklich dorthin, wo ich in 10 Jahren sein möchte?

Methode 2 – Best-Case- / Worst-Case-Analyse

Jede wichtige Entscheidung steht sinnbildlich für eine Kreuzung im Leben, an welcher Du eine Richtung wählen musst. Je nachdem, für welche Variante Du Dich entscheidest, entwickelt sich Dein Leben anders. Bei Best- und Worst-Case- Methode lösen wir uns für einen Moment von den reinen Vor- und Nachteilen der Varianten und denken in der Superlative – positiv wie negativ gesehen: Welches ist das absolute Best- und das absolute Worst-Case-Szenario für jede Deiner Varianten? Was ist das Beste und das Schlechteste, das Dir mit der jeweiligen Wahl passieren kann? Schreib alle Szenarien nieder.

Worst-Case-Szenario

Die Vergegenwärtigung der Worst-Case-Szenarien soll dabei nicht gedanklich den Teufel an die Wand malen. Vielmehr geht es darum, zu ergründen, ob es klare Ausschlusskriterien gibt. Du kannst hier weiter in Tiefe gehen: Gibt es Worst-Case-Szenarien, mit welchen Du absolut nicht leben kannst? Hat dieses Szenario eine hohe Eintreffens-Wahrscheinlichkeit? Falls ja, so bist Du wohl besser bedient, diese Variante zu nicht zu wählen.

Best-Case-Szenario

Auf der anderen Seite: Welches der Best-Case-Szenarien fühlt sich für Dich besser an? Geh auch hier in die Tiefe: Was macht dieses Szenario attraktiv für Dich? Welchen positiven Einfluss wird dies auf Dein Leben, deinen Alltag und Deinen Lifestyle haben? Mach für alle Szenarien eine grobe Einschätzung, wie wahrscheinlich deren Eintreffen ist.

Methode 3 – Entscheidungsfragen stellen

Speziell in Dilemmasituationen, in welchen man kreisende Gedanken hat, kann es lohnenswert sein, sich auf einfache und kurze Fragen zu besinnen. Sind Gedanken festgefahren, so können Entscheidungsfragen helfen, neuen Wind in die Entscheidungsfindung zu bringen. Solche Fragen können sein:
  • Was steckt hinter meinem Entscheidungsdilemma?
  • Was ist mein wirkliches Ziel? Warum will ich dieses Ziel erreichen?
  • Bin ich ehrlich zu mir selbst, oder ist meine Entscheidung durch andere Personen beeinflusst?
  • Habe ich mir die Konsequenzen sauber überlegt?
  • Gibt es noch weitere Alternativen oder mögliche Kompromisse?
  • Was sagt mein Kopf? Was sagt mein Herz?
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Methode 4 – Perspektivwechsel

Sind wir in einem Entscheidungsfindung komplett blockiert und können aus der eigenen Perspektive keine Wahl treffen, so lohnt sich ein Standpunkt- bzw. ein Perspektivwechsel. Diese Methode bietet sich insbesondere dann an, wenn sehr viele Emotionen im Spiel sind. Denn dann haben wir meistens Angst vor den Konsequenzen der Entscheidung, wir fühlen uns gelähmt und mental festzementiert. Stell dir vor, dass Dein bester Kollege oder eine liebe Verwandte vor der gleichen Entscheidung stünde. Was wäre Dein objektiver und wohlwollender Rat an ihn oder sie? Was könnte genau diese Entscheidung für die Zukunft des Kollegen/der Verwandten bedeuten und mit sich bringen? So einfach die Methode erscheint, desto fordernder kann sie sein. Voraussetzung hierfür ist eine grosse Ehrlichkeit mit sich selbst und der Wille, sich mental vom eigenen Standpunkt zu lösen. Aber es lohnt sich – Der psychologische Effekt der Methode kann hoch sein, da wir bei anderen die Dinge meist klarer sehen als bei uns selbst. two women sitting beside table and talking

Entscheidungen treffen: Bist Du ready to decide?

Ich hoffe, die 4 genannten Methoden können Dir in Eigenregie bei Deiner nächsten Entscheidung helfen. Und denk daran: Eine harte Entscheidung treffen zu müssen, ist (auch) eine kostbare Gelegenheit im Leben, der einzigartige Mensch zu werden, der Du bist und sein wirst. Speziell bei komplexen oder stark emotionalen Entscheidungen gibt es nebst den hier aufgezeigten Methoden selbstverständlich auch weitere Coaching-Methoden zur Entscheidungsfindung. Diese werden durch einen erfahrenen Coach begleitet und sind damit meist Bestandteil eines Life Coachings oder Karrierecoachings, welche Coachees Orientierung und Kraft geben, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Welche Entscheidung steht bei Dir gerade an? Und mit welchen Entscheidungen kann Dein zukünftiges Leben an Attraktivität gewinnen?
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