Sport spielt in meinem Leben seit vielen Jahren eine zentrale Rolle. Nebst meiner beruflichen Tätigkeit in einem grossen Schweizer Sportverband betreibe ich selbst regelmässig Sport. Nachdem ich rund 18 Jahre lang intensiv und wettkampfmässig Thaiboxen betrieben habe, bin ich heute mehr polysportiv unterwegs. Rückblickend kann ich klar sagen, dass der Sport mein Leben und meine Lebensweise mehr als positiv beeinflusst hat.

Während meiner Zeit als aktiver Kampfsportler trainierte ich fast täglich, zwischenzeitlich auch zweimal pro Tag. Persönlich war ich aber nie auf dem Niveau eines Spitzensportlers aktiv. Ich würde mich rückblickend als ambitionierten «Hobby-Leistungssportler» betrachten. Wo liegt der Unterschied, zwischen einem Breiten- und einem Spitzensportler?

Sucht man eine klare Definition der Begriffe, so findet man unterschiedliche Ansätze. Für mich zeichnet sich der Spitzensport durch einen ausgeprägten Wettkampfcharakter, dem Streben nach Höchstleistungen und der Orientierung an internationalen Leistungsvergleichen aus. So unterscheidet sich der Spitzen- vom Breitensportler unter anderem durch die höhere Trainingsdauer und -intensität sowie den Trainingsumfang.

 

Der Link zwischen Sport, Business und Alltag

Für viele Menschen hat Sport primär einen Unterhaltungswert. Ob im Fernsehen, im Internet oder live im Stadion, sportliche Wettkämpfe begeistern Massen. Aber welche Lektionen können wir vom Sport nebst diesem Entertainment-Aspekt lernen? Speziell für das Berufs- und Privatleben bietet der Sport zahlreiche Konzepte und Denkhaltungen, welche mehr als wertvoll sind: Leadership, Motivation, Teamwork, Kommunikation, Zielsetzung und Strategie. Dies um nur einige Beispiele zu nennen.

So ist es nicht überraschend, dass viele erfolgreiche Sportstars schon während oder nach ihrer sportlichen Karriere den Transfer ins Geschäftsleben schaffen. Ein wunderbares Beispiel ist Roger Federer, der nach vielen Jahren im Profisport einen grossen Teil seines Einkommens nicht mit Tennis, sondern mit Sponsoring-Deals und anderen Geschäftstätigkeiten erwirtschaftet.

Studiert man die Gewohnheiten und das Mindset von Eliteathleten, so gewinnt man einen spannenden Einblick, welche Faktoren für den Erfolg entscheidend sein können. Jeder Top-Athlet fing klein an, bevor er an der Spitze ankam. Was können wir von Spitzensportlern für unseren privaten und beruflichen Alltag und die Erreichung unserer Ziele lernen?

1. Think Big – Sich erlauben gross zu denken

Zurückhaltung ist eine vermeintlich weit verbreitete Schweizer Tugend. Doch sich ambitionierte Ziele zu setzen und Sachen wirklich gross zu denken, hat nichts mit Hochstapelei zu tun. Viele Menschen haben es sich angewöhnt, möglichst klein und damit «realistisch» zu denken. Unsere Vorstellungskraft hat aber eine grosse Macht.

Jahre bevor Spitzensportler erfolgreich sind, sind sie es bereits in ihren Gedanken. Die Attraktivität eines grossen Ziels und der Glaube, dieses vermeintlich «unrealistische» Ziel auch wirklich erreichen zu können, stellen die Weichen für die notwendigen Handlungsmuster, wie beispielsweise ein knochenhartes und konstantes Training. Visualisierungsübungen gehören somit ins mentale Standardrepertoire eines jeden Top-Athleten.

Was bedeutet dies für uns Nicht-Spitzensportler? Die Kunst gross zu denken lässt sich erlernen. Ein nützliches Tool dazu ist das sogenannte «Glücks-Stretching». Stellen wir uns eines unserer ambitionierten Ziele im Leben oder Beruf vor. Was bräuchte es, dass die Attraktivität dieses Ziels noch grösser wird? So machen wir das Ziel Schritt für Schritt grösser, und gleichzeitig auch unsere Motivation.

 

“The man who has no imagination has no wings.”

Muhammad Ali

 

2. Die richtigen Ziele setzen

Spitzensportler definieren gemeinsam mit ihren Trainern klare Karriere-, Saison- und Trainingsziele. Daraus resultieren lang-, mittel- und kurzfristige Umsetzungs- und Trainingspläne. Ziele sind damit ein zentrales Fundament für den Erfolg.

Viele Menschen sind der Meinung, ihre Ziele zu kennen. Aber in Wirklichkeit formulieren und definieren die wenigsten von uns klare und messbare Zielsetzungen. Was bringt es, sich in ein solches «Zielkorsett» zu zwingen? Und setzt man sich dadurch nicht unnötig unter Druck? Eine Antwort auf diese Fragen muss die persönliche Ambition geben. Was möchte man persönlich und beruflich im Leben erreichen? Steckt man sich hohe Ziele, so hilft eine klare Zieldefinition bei der Umsetzung der gesetzten Vision.

Diverse Studien zeigen auf, dass Sportler und auch Unternehmer, die sich klare Ziele setzen, erfolgreicher sind. Zentral dabei ist die Formulierung der Ziele. Was gilt es hier zu beachten?

Bei der Zielformulierung setzen Spitzensportler primär auf Handlungsziele, also Tätigkeiten, welche eine konkrete Wirkung auf den Leistungserfolg haben. Zusätzlich zu den Handlungszielen werden Ergebnisziele formuliert, welche objektiv und klar messbar sind. Ergebnisziele können aber zu mentalen Drucksituationen führen. Wichtig ist damit, dass der eigentliche Antrieb für einen Spitzensportler die Leidenschaft für den Sport ist, und nicht nur die Freude am Ergebnis.

Bei der Zielformulierung sollte beachtet werden, dass wenige oder keine Vermeidungsziele gesetzt werden. «Ich möchte den Auftrag und den Kunden nicht verlieren» könnte ein solches Vermeidungsziel im Business sein. Psychologische Studien zeigen, dass das Gehirn keine Negationen verarbeiten kann, womit wir das Ziel mental in «Ich will den Auftrag verlieren» umformulieren. Das Scheitern wird vorprogrammiert.

 

3. Training, Training, Training

Vergleicht man die aufgewendete Zeit für Trainingseinheiten und die effektive Zeit im Wettkampf, so wird schnell klar, dass Übung und Training die essenziellen Voraussetzungen für den Erfolg sind.

Geschäftsleute und Unternehmer haben selbstverständlich ein ganz anderes tägliches Setup als Spitzensportler. Dennoch gibt es zahlreiche Chancen und Möglichkeiten, sich auf den relevanten Themen zu trainieren und versierter zu werden.

Will man ein exzellenter Speaker werden, so gilt es so viele Trainingsstunden zu absolvieren wie möglich. Der erste Freistoss, den Christiano Ronaldo als Amateur geschossen hat, wird kaum ein Weltklasseniveau gehabt haben. Ebenso wenig wird die erste Speech eines angehenden Top-Redners in allen Aspekten brillieren.

Konsistente Weiterbildungskurse, Übungseinheiten und gezieltes Training verbessern die persönliche Performance auf allen Ebenen: Sei es im Sport, im Privat-, oder auch im Berufsleben.

 

4. Aus Niederlagen (und Siegen) lernen

Es ist die harte Realität im Sport: Es gibt immer Gewinner und Verlierer. Spitzenathleten kennen die Höhen und Tiefen ihrer Tätigkeit. Schlussendlich zählt aber, was man aus Niederlagen mitnimmt. Genau dies ist der Stoff, aus welchem Gewinner entstehen.

Die einfachste Reaktion auf eine Niederlage ist der Fingerzeig oder eine Schuldzuweisung auf andere vermeintlich Verantwortliche. Dieses Verhaltensmuster ermöglicht aber keine positive Lernkurve und Verbesserung. Ein verlorener Wettkampf oder eine schlechte Tagesleistung birgt immer die Chance in sich zu gehen, und die eigene Leistung und die Gründe dafür zu analysieren.

Das Gleiche gilt für alle, die sich im Leben verbessern möchten. Eine Niederlage ist stets eine temporäre Situation. Jeder Tag bietet eine neue Chance zu lernen, sich zu verbessern und zu wachsen. Im Leben geht es nicht darum in jeder Situation siegreich zu sein, sondern aus seinen Fehlern zu lernen und über sie hinauszuwachsen.



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