Was Dich in diesem Artikel erwartet

Mit dem Jahr 2020 endet ein spezielles Jahr. Die grossen Herausforderungen, welche sich uns in den vergangenen Monaten stellten, geben guten Anlass das Jahr nochmals Revue passieren zu lassen. Die Hoffnung auf ein besseres, erfüllteres oder pandemiefreieres 2021 wird sich in so manch gutem Neujahrsvorsatz oder -wunsch niederschlagen.

Dieser Artikel beleuchtet den Prozess der persönlichen Transformation, also der individuellen Veränderung und Weiterentwicklung. Was braucht es, damit sich aus guten Vorsätzen eine positive und nachhaltige Veränderung der Lebensumstände manifestiert?

Interessiert? Dann lies weiter 🙂

 

Persönliche Transformation –  Ein individueller Change-Prozess

Der Dezember ist in vielfältiger Hinsicht ein besonderer Monat. Einerseits ist es die Zeit des Advents und des Weihnachtsfests, andererseits nähert sich Silvester und damit das Jahresende. Für viele Menschen hat dieser Monat etwas sehr Besinnliches inne und so mancher nutzt diese Zeit für einen persönlichen Jahresrückblick. Auf eine Reflexion, was im vergangenen Jahr erfüllend oder herausfordernd war, folgt oftmals das Stecken neuer Ziele und Vorsätze für das kommende Jahr.

Rückblickend brachte das Jahr 2020 sehr viel Überraschendes und Herausforderndes. Auch zum Jahresende hat uns die Pandemie rund um das Coronavirus fest im Griff. Diese Situation zeigt uns auf, wie unvermittelt sich unser gewohntes Leben ändern kann. Sie zeigt uns auch, wie gut und schnell wir Menschen uns adaptieren können. So haben sich speziell die Unternehmen in der Schweiz im Rekordtempo auf die neue Arbeitssituation mit Homeoffice und virtueller Kommunikation eingestellt. Die Corona-Pandemie wirkt dabei als Beschleuniger der digitalen Transformation.

 

Trans·for·ma·ti·on

Unter Transformation versteht man den Prozess der Veränderung, vom aktuellen Zustand hin zu einem angestrebten Ziel-Zustand in der nahen Zukunft. Eine Transformation repräsentiert einen fundamentalen und dauerhaften Wandel.

Wikipedia

 

Was hat «Transformation» mit guten Vorsätzen zum Jahresende zu tun? Hinter jedem Vorsatz steckt ein positiver und relevanter Veränderungswunsch. Doch so zahlreich gute Vorsätze zum Jahresende gesetzt werden, so grandios scheitert ein grosser Anteil dieser Veränderungswünsche.

Nehmen wir den Fokus weg vom zeitpunktbezogenen Neujahrsvorsatz und blicken auf den Prozess der langfristigen Veränderung. Veränderung ist ein unausweichlicher Prozess, der aktiv gestaltet oder passiv hingenommen werden kann. Ein aktiver Transformationsprozess setzt somit Bewusstsein und eine zielgerichtete Handlung voraus.

Welche Relevanz hat der Prozess der Transformation für mich persönlich? In meinen beruflichen Tätigkeiten als Führungskraft, Coach und Dozent beschäftige ich mich aktiv mit unternehmerischen und individuellen Veränderungsprozessen meiner Anspruchsgruppen.

In meiner Arbeit fällt mir oft auf, dass sich Organisationen, Teams und Menschen als Spielball der äusseren Umstände oder des sogenannten «Schicksals» sehen. Für mich stellen sich dabei zwei zentrale Fragen:

1. Was braucht es, dass ein System, oder ein Individuum, selbstwirksam und somit zum Gestalter des Veränderungsprozesses wird?

2. Wie ergibt sich aus einem guten Vorsatz eine wirkliche Veränderung der eigenen Lebensumstände, der gewohnten Handlungsmuster, und auch der persönlichen Erlebnis- und Gefühlswelt?

Nebst dieser beruflichen Relevanz schreitet der Prozess der Veränderung natürlich auch in meinem Leben voran. Welche Situationen und Denkhaltungen waren in meinem Leben entscheidend, damit ich positive Veränderungsprozesse erfolgreich vollziehen konnte? Nachfolgend möchte ich zwei für mich entscheidende Situationen mit euch teilen, welche für meine berufliche und persönliche Entwicklung überaus wertvoll waren.

 

Situation 1 – Der Schritt in ein aktives Leben

Von klein auf begeisterte ich mich für Kampfsport. Trotz meines grossen Interesses für diesen Sport nahm ich über Jahre jedoch eine passive Beobachterperspektive ein. So verfolgte ich live, wie der wohl erfolgreichste Kampfsportler der Schweiz, Andy Hug, im Hallenstadion seine Gegner ausknockte und besuchte diverse Kampfsport-Galas in der Schweiz als Zuschauer. Knapp die ersten beiden Jahrzehnte meines Lebens verbrachte ich mit allem anderen als Sport, was durch eine komplexe Knieverletzung in meinem vierzehnten Lebensjahr noch unterstützt wurde.

Auf dem Höhepunkt meiner körperlichen Inaktivität schaffte ich es kaum, einen korrekt ausgeführten Liegestütz auszuführen. Eine radikale Änderung in meinem Leben vollzog sich, als ich mit rund 18 Jahren den Fuss in ein lokales Thaibox-Gym setzte. Ich hatte über einen Bekannten erfahren, dass dieses Gym seit mehreren Jahren unfern von meinem Wohnort betrieben wurde. Thaiboxen ist eine der wohl härtesten Kampfsportarten und die Angriffs- und Verteidigungstechniken sind nicht auf Show, sondern Effektivität ausgelegt.

Ich erinnere mich sehr gut an den Besuch des ersten Trainings und meine Nervosität. Ebenso gut erinnere ich mich an den kameradschaftlichen und äusserst fairen Umgang der Trainierenden. Auf den ersten Besuch folgte ein Probetraining, darauf rund 18 Jahre begeisterte Mitgliedschaft und aktives Training im Verein.

Obwohl ich zuerst nicht als talentiert erschien, konnte ich mich langsam, aber kontinuierlich steigern. Jeder, der diesen Sport ernsthaft betrieben hat, kennt die körperlichen Schmerzen, aber auch die glühende Motivation besser zu werden und im Sparring oder Wettkampf zu bestehen. Als Thaiboxer ist man einerseits individueller Einzelkämpfer, andererseits ist man Teil des Gym’s und damit eines starken Kollektivs, welches einem motiviert und unterstützt.

Ich hegte nie die Absicht, diesen Sport wettkampfmässig oder professionell zu betreiben. Dennoch wuchs meine Ambition und ich bestritt im Lauf meiner Karriere rund 14 Kämpfe nach Profi-Regeln, erlebte mehrmonatige Trainingsaufenthalte in Thailand, und wurde mit 28 Jahren Schweizer Meister. Bevor ich mir diesen Titel erkämpfte, verlor ich die beiden Jahre zuvor jeweils den Finalkampf. Die Beharrlichkeit zahlte sich aus.

Was hat mir dieser Sport gebracht? Durchhaltewillen, Geduld, Selbstbewusstsein, Körperbewusstsein und Fitness, Motivation, Charakterstärke, Freundschaft und schlussendlich einen komplett neuen Lifestyle. Ich möchte nicht wissen, wo ich heute stehen würde, ohne diesen Schritt in ein aktives Leben.

Welche Denkhaltungen waren dafür verantwortlich, dass aus der damaligen Idee des Trainingsbesuchs eine solch tiefgreifende Veränderung geschah? Dies zumal ich mir zuvor jahrelang erfolglos vorgenommen hatte fitter zu werden.

 

Situation 2 – Der Schritt ins beruflich Unbekannte

Parallel zu meiner sportlichen Entwicklung schritt auch meine berufliche Laufbahn voran. Nach meinem Studium etablierte ich mich im Bereich Marketing. Nach den ersten Karriereetappen erhielt ich mit rund 32 Jahren eine äusserst spannende Anstellung in der internationalen Tabakindustrie.

In meiner neuen Funktion leitete ich ein Expansionsprojekt im Promotionsbereich und hatte die operative Führung über einen Personalpool von rund 200 Hostessen und Sales Hosts. Der Job ermöglichte mir eine steile Lernkurve, bot mir attraktive Anstellungsbedingungen und Social Events sowie exzellente Karrieremöglichkeiten.

Nach der intensiven Aufbauphase des Projekts, der Etablierung der Prozesse und der erfolgreichen Durchführung der Promotionseinsätze fragte ich mich, was mir in diesem Job die grösste Erfüllung brachte. Erstaunlicherweise war es klar der Ausbildungsbereich, in welchem ich das Personal schulte und trainierte. Ich entschloss dieser Begeisterung zu folgen und meine Karriere verstärkt auf diesen Bereich auszurichten.

Da die damalige Kaderposition keine Möglichkeit zur Teilzeitarbeit bot, kündigte ich zum Erstaunen meiner Vorgesetzten und Arbeitskollegen meinen Arbeitsvertrag, um ein paar Monate darauf wieder an der Universität die Schulbank zu drücken. Diese Zeit war für mich geprägt von einer riesigen Unsicherheit da ich nicht wusste, wie ich in den kommenden Monaten meinen Lebensunterhalt verdienen soll. Gleichzeitig fühlte ich eine starke Aufbruchsstimmung, welche mich beflügelte und positiv stimmte.

Äusserst spannend war, dass sich mein Leben in der darauffolgenden Zeit komplett neu formierte. So befand ich mich einerseits in einer umfassenden pädagogischen Ausbildung, erhielt parallel eine erste Anstellung als Lehrer und Dozent, und wurde von einem erfolgreichen Start-up Unternehmen als Business Development Manager angestellt.

Der mutige Schritt ins Unbekannte machte Folgendes glasklar: Manchmal muss man etwas vermeintlich Wertvolles begraben, um Raum für Neues zu erschaffen. Was ich zuerst als existenzielle Wahl zwischen Manager- und Lehrkarriere betrachtete, war nicht ein «entweder/oder», sondern vielmehr eine Erweiterung und Entfaltung meiner Kompetenzen und Persönlichkeit.

 

Fazit – Neue Denk-Frames statt guter Vorsätze

Obwohl sich beide Situationen aus meinem Leben unterschiedlich darstellen, so haben sie mehrere gemeinsame Nenner. Beide Erlebnisse stehen zudem für einen persönlichen Wunsch, der sich bestens als Neujahrsvorsatz eignen würde: Körperliche Fitness und ein erfülltes Berufsleben.

Weiter kann ich drei persönliche Denkhaltungen, sogenannte Frames identifizieren, welche entscheidend waren, dass meine persönliche Veränderung in beiden Situationen erfolgreich ablief:

 

1. Denk-Frame: Das Leben bewusst wahrnehmen und präsent sein

Der erfolgreiche und selbstwirksame Schritt zu einer Veränderung setzt voraus, dass man weiss, wo man im Leben steht. Eine sorgfältige Reflexion seiner Lebensumstände und der eigenen Erlebniswelt bildet eine gute Basis, um den Startschuss für eine gezielte Veränderung zu setzen. Eine solche Reflexion kann dabei nicht nur zum Jahreswechsel, sondern fortlaufend praktiziert werden.

Präsent sein heisst wahrzunehmen, was für uns im Leben wichtig ist. Eine solche Präsenz lässt sich mit gezielten Achtsamkeitsübungen herstellen. In meinem Blog-Artikel zum Thema «Zu sich selbst finden» findest Du einige Tools und Übungen, wie Du Dein Leben bewusster wahrnehmen könnt.

2. Denk-Frame: Eine Vision haben und geduldig sein

Der Prozess der Transformation ist vorwärtsgerichtet und zielt in die Zukunft. Eine Vision oder Zielsetzung zu haben, ist eine zentrale Voraussetzung, um den inneren Kompass auszurichten. Bei der Entwicklung einer eigenen Vision steht dabei stets der angestrebte Zustand im Fokus, nicht der Weg zur Zielerreichung. Ist das Ziel angepeilt, so findet man den Weg, sei es direkt oder auf Umwegen.

Im Falle meiner geschilderten beruflichen Entwicklung war der Zielzustand klar: Ich will zukünftig Menschen professionell ausbilden, fördern und befähigen. Der Weg dahin, also beispielsweise die Finanzierung meines Vorhabens, klärte sich erst im Prozess der Umsetzung.

Jede Veränderung benötigt zudem ihre Zeit. So braucht es beispielsweise einige Zeit, um nach rund 18 bewegungsarmen Jahren körperlich fit zu werden. Wie sagt man so schön: Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

3. Denk-Frame: Neugierig sein und Mut haben

Welche Möglichkeiten bieten sich uns, wenn wir ungewohnten Situationen und Herausforderungen anstatt mit Angst, mit Neugierde und Mut begegnen? Diese «störungsfreie» Denkhaltung löst Blockaden und lässt uns frei entfalten.

Meine zuvor ausgeführte berufliche Entscheidung, den lukrativen Job zu kündigen, war zuerst mit grosser Angst und Unsicherheit verbunden. Diese Angst sowohl intellektuell als auch emotional zu überwinden, war für mich im damaligen Moment nicht einfach. Doch der Schritt gelang mir, indem ich meine Denkhaltung Stück für Stück neu ausrichtete.

Die mich verunsichernde Frage, «Wie verdiene ich zukünftig mein Geld?», wurde immer mehr durch die neugierige Frage verdrängt: «Was wäre, wenn ich mein Geld auf eine richtig erfüllende Art und Weise verdienen könnte?».

 

Neues Jahr – neue Denkhaltung

Was braucht es nun, dass ein System, oder ein Individuum, selbstwirksam und somit zum Gestalter des Veränderungsprozesses wird? Und wie manifestiert sich aus einem guten Vorsatz eine positive Veränderung der eigenen Lebenssituation?

Persönlich bin ich der Überzeugung, dass wir mit mehr Bewusstsein, attraktiven Visionen sowie Neugierde und Mut der Entfaltung unserer Lebensträume Schritt für Schritt näherkommen.

Hast Du in Deinem Leben bewusst oder unbewusst positive Veränderungsprozesse erlebt? Welche Situationen und Denkhaltungen waren dabei für Dich entscheidend?

Ich bin gespannt auf Eure Antworten.

 
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