Wir stehen im dritten Quartal des Jahres 2020. Ein Jahr, welches bis jetzt wohl für jeden von uns so einiges an Unerwartetem auf dem Tablett servierte. Nachdem wir Mitte März in einen kollektiven Lockdown geschickt wurden, steht nun Schritt für Schritt die Rückkehr in eine neue Realität an. Die soziale Isolation, welche wir zeitweise erlebt haben und in gewissen Bereichen des Lebens immer noch erleben, stellte uns vor verschiedene Herausforderungen und Möglichkeiten. Die durch das Coronavirus auferlegte Entschleunigung des Lebens nahm uns zwar einiges an Freiheiten und Handlungsspielraum; sie brachte aber nicht nur Negatives mit sich.

Blicke ich auf meine eigenen Erfahrungen und die meines Umfeldes und meiner Klienten, so brauchte es für viele von uns einiges an Effort, die soziale Isolation in ein akzeptables oder gar positives Erlebnis zu drehen. Die unfreiwillige gegebene Isolation veränderte die Lebenswelt vieler und führte zu neuen Fragen und Hypothesen. Persönlich nehme ich drei Kernfragen aus der Zeit des Lockdowns mit:

  1. Der Lockdown schenkte mir von einem Tag auf den anderen mehr Zeit. Plötzlich stand nicht mehr die alltägliche Arbeitsroutine auf der Agenda und ich war verstärkt mit mir selbst konfrontiert. Was definiert mich als Mensch, wenn ich alle meine im Alltag antrainierten Gewohnheiten, Abläufe und Routinen wegsubtrahiere?
  2. Was für Werte, Bedürfnisse und Ziele habe ich im Leben und in welchen Momenten fühle ich mich erfüllt, energievoll und glücklich?
  3. Wie kann ich eine solche Ausnahmesituation gezielt nutzen, um mit mir selbst in Einklang zu kommen und mich selbst zu finden?

Sich selbst zu finden setzt voraus, dass man sein Leben immer wieder aktiv reflektiert und sich bewusst macht, wo man im Leben steht und wohin die Reise gehen soll. Aus der eigenen Selbstreflektionen der drei Kernfragen und verschiedenen Sparring-Gesprächen mit Klienten, und Fachkollegen sind folgende 8 Tipps entstanden.

Diese 8 Tipps sollen als Startpunkt dienen für Deinen persönlichen inneren Wandel. Sie können natürlich auch ausserhalb von Pandemiezeiten angewendet werden.

1) Erkenne und wertschätze Deine Eigenheiten

Auf dem Weg der Selbstfindung ist es wichtig, zu identifizieren, was einen persönlich ausmacht. Sich selbst zu kennen, bedeutet seinen eigenen Lebenswerten genug Raum zu schaffen, und somit das eigene Wohlbefinden zu fördern. Seine Eigenheiten sollte man kennen und sich selbst dafür feiern.

Also: Was macht Dich wirklich aus und unterscheidet Dich von anderen Menschen auf diesem Planeten?

Oftmals ist dies sehr schwer zu beantworten, da wir uns gegenüber viel kritischer sind als anderen gegenüber. Wir diskreditieren uns aufgrund unserer Eigenheiten, anstatt diese zu akzeptieren und wertzuschätzen.

Wenn Du zulässt, glücklich zu sein mit all Deinen Charakterzügen und Eigenheiten, so wird sich dies auch positiv auf alle anderen Lebensbereiche übertragen. Dieser Transfereffekt entsteht durch das Erleben von Selbstakzeptanz und Erfolgserlebnissen.

Übung: Wie kann man diesen Prozess aktiv angehen und fördern?

Eine effektive Methode ist, eine Liste mit 10 persönlichen Eigenschaften zu erstellen, auf welche man stolz ist. Das könnte Warmherzigkeit, Loyalität gegenüber anderen, oder auch besondere Fähigkeiten im Zeichnen sein. Fällt es Dir schwer, eigene positive Eigenschaften zu benennen? Versuch, eine Drittperspektive einzunehmen und zu überlegen, wofür Du bereits schon gelobt wurdest oder was geliebte Menschen an Dir schätzen. Weiter kannst Du direkt andere Menschen um ein Feedback fragen.

Denk daran:

Bevor Du an Deinem zukünftigen Selbst arbeiten kannst, musst Du anerkennen, wer Du heute bist. Es ist häufig einfacher, das Positive ausser Acht zu lassen und die negativen Gedanken zu kultivieren. Indem Du all Deine, auch die positiven, Eigenschaften anerkennst, wird es Dir leichter fallen, Negativität zu verbannen. Ein erster Schritt zum zu sich selbst Finden ist sich zu akzeptieren.

2) Wirf einen Blick in Deine Vergangenheit

Um in die Zukunft blicken und Deine Ziele definieren zu können, musst Du wissen wo Du herkommst. Die Vergangenheit kann schön und/oder schmerzhaft sein; sie ist aber Ursprung dessen, wer Du heute bist. Wenn Du weisst, wo Du heute stehst, kannst Du Deinen weiteren Weg aktiv gestalten.

Übung: Erstelle eine Timeline Deines Lebens

Erstelle dazu eine schriftliche Timeline mit den Stationen, die Du im Leben durchlaufen hast. Was war wichtig? Was hat Dich geprägt? Was hat Dir geholfen?

Denk daran:

Bei dieser Methode geht es nicht darum, das eigene Leben zu werten, sondern zu identifizieren, was Du gelernt hast aus dem Erlebten. Unsere grössten Herausforderungen und auch Misserfolge haben uns zu dem gemacht, was wir heute sind. Uns daran zu erinnern, durch welche Zeiten wir gegangen sind, gibt uns Stärke und Mut.

3) Identifiziere, was Dich erfüllt und glücklich macht im Leben

In welchen Momenten fühlst Du Dich wirklich lebendig? Mach Dir so oft wie möglich bewusst, was Dich gut fühlen lässt und fokussiere Dich darauf, anstatt auf das Negative zu schauen.

Es gibt Platz für Gutes und Schlechtes in unserem Leben. Aber wenn wir uns auf die Suche nach unserem besten Leben machen, so sollten wir auf die Dinge schauen, die Energie und Erfüllung bringen.

Übung: Frag Dich, was Dich wirklich glücklich macht!

Wann fühlst Du Dich am lebendigsten? Schreib es auf und kultiviere es bei jeder Gelegenheit. Eine wirksame Methode ist auch, sich bildlich vorzustellen, wie sich Dein persönlicher, idealer Tag gestalten würde. Visualisiere diesen Tag mit allen Sinnen und achte Dich darauf, was Dich an diesem Tag bewegt und mit Freude erfüllt.

4) Schliesse Frieden mit Deinem inneren Kritiker

Wer kennt sie nicht. Die innere Stimme, welche einen verunsichert und einen ungefragt mit Zweifel erfüllt. Wer sich wachstumsorientiert entwickeln möchte, sollte sehr genau auf seine Gedanken achten.

Wie sprichst Du mit Dir selbst? Hier gilt die einfache Regel: Sprich so positiv und wohlwollend mit Dir selbst, wie Du es mit einem guten Freund oder Verwandten machst.

Unterscheide genau zwischen kritischer Selbstreflexion, welche explorativ und konstruktiv ist, und negativer Selbstverbalisation, in welcher Du Dich kleinredest.

Negative Gedanken und Stimmen sind kein fruchtbarer Boden für Selbsterkenntnis und persönliche Entwicklung. Finde heraus, wer Du bist, indem Du grosszügig zu Dir selbst bist.

5) Steh für Dich ein

Setz Dich für Deine Werte ein und lass andere wissen, was Du denkst. Übe Dich zwar darin, offen und geduldig zuzuhören und andere Meinungen zu akzeptieren, äussere aber gleichzeitig Deine Meinungen und steh für Dich und Deine Bedürfnisse ein.

Für sich selbst einzustehen macht einen von Zeit zu Zeit verletzlich. Aber sich anderen gegenüber verletzlich zu zeigen, ermöglicht den meisten erst der Zugang zu sich selbst.

Wenn Du Unrecht hast, gib dies offen zu. Wenn Du von ganzem Herzen an etwas glaubst, sprich es aus. Wenn Du besorgt bist oder Fragen hast, trau Dich nachzufragen oder um Hilfe zu bitten. Anderen Leuten Dein authentisches Ich zu zeigen, bestärkt Dich in Deinem Selbst.

6) Bring Neues in Dein Leben

Sei offen für neue Abenteuer und probiere ungewohnte Sachen aus. Neugier ist der beste Gefährte für eine Erkundungstour durch das Leben und für den Weg zur Gewissheit, was einem wichtig im Leben ist und Freude bringt. Durch eine gezielte Achtsamkeit ist man offen für Neues und präsent für alle Chancen, die sich einem im Leben bieten.

Indem man alte Verhaltensmuster und Gewohnheiten zementiert, findet man weder sich selbst, noch entwickelt man sich weiter.

Der Prozess des Erkundens legt offen, was einem nicht gefällt und keine Priorität im Leben hat. Mit diesem Bewusstsein kann man Sachen, und, wenn nötig, auch Menschen, loslassen und den Weg frei machen für die positiven Aspekte.

7) Unterstütze andere

Wie bereits beschrieben, ist die Gewohnheit zur Selbstreflexion eine wichtige Voraussetzung, um zu sich selbst zu finden und selbstwirksam zu leben. Zu viel Fokus auf sich selbst kann aber dazu führen, dass wir in unseren eigenen Problemen und Gedanken untergehen und uns darin verlieren.

Setzt man den Fokus regelmässig auf andere, gewinnt man eine umfassendere Perspektive auf die Beziehungen und auf die Welt. Man realisiert, dass man nicht das Zentrum des Universums ist und welche positive Energie freigesetzt wird, wenn man sich für andere engagiert.

Schauen wir nur auf uns selbst, agieren wir gedanklich auf einem viel kleineren Spielfeld. Auf dieser beschränkten Fläche erscheint jedes kleine Problem riesengross. Öffnen wir uns für andere und unterstützen diese, erweitern wir unseren Horizont und ernten Dankbarkeit und Positivität.

“The best way to find yourself is to lose yourself in the service to others.”

Mahatma Gandi

8) Leg los!

 

Der beste Plan ist wertlos ohne eine konkrete Handlung. Wir überschätzen jedoch häufig die Grösse des ersten Schrittes, der notwendig ist, um einen Plan erfolgreich umzusetzen.

Somit sage ich lieber: Der ambitionierteste Plan wird zur Realität mit dem kleinsten Schritt, den Du heute machst. Wenn Du die oben beschriebenen Schritte durchgearbeitet hast, hast du eine klarere Einsicht, was Dich erfüllt und was Du dieser Welt bieten kannst.

 

Mit dem Wissen wer Du bist – wohin soll Deine Reise nun gehen?

 

Ich bin gespannt auf Deine Rückmeldung.

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